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11.12.2025: Spitzengespräch mit Manuel Hagel
"Wir wollen wieder das Land der Häuslebauer werden!"
Im Bild oben (v.l.) Manuel Hagel, Thomas Haller und Sebastian Nothacker
Die Landesvorstände von Haus & Grund, Sebastian Nothacker (Württemberg) und Thomas Haller (Baden) haben im Landtag von Baden-Württemberg Manuel Hagel getroffen. Manuel Hagel ist der Partei- und Fraktionsvorsitzende der CDU im Land und tritt bei der kommenden Landtagswahl für seine Partei als Spitzenkandidat an. Die Vorstände trafen mit ihren Anliegen, die sie im Namen der Eigentümer und Vermieter im Land vorbrachten, bei Manuel Hagel auf offene Ohren.
Zugegeben: Spitzenpolitiker für ein Gespräch zu gewinnen, insbesondere wenn es sich um Kandidaten im Wahlkampf handelt, die auch noch Verantwortung in Partei und Fraktion tragen, ist nicht immer einfach und mit viel Koordinationsleistung verbunden. Trotz hoher Termindichte - und zudem mitten in der Sitzungswoche des Landtags - nahm sich Spitzenkandidat Manuel Hagel dennoch Zeit, persönlich mit den Vorständen von Haus & Grund Baden und Württemberg zu sprechen. Der 37-jährige Hoffnungsträger der Landes-CDU traf mit etwas Verspätung ein, begleitet von einem Team von Mitarbeitern. Die Sitzordnung wurde improvisiert - man wolle nicht zu weit auseinander sitzen, es solle, trotz des Termindrucks, zwanglos zugehen. Hagel zeigte großes Interesse an den Themen, die die Eigentümer und Vermieter im Land bewegen.
Der badische Landesvorstand Thomas Haller brachte einleitend vor, dass potenzielle Eigentümer - insbesondere junge Familien - aus finanziellen Gründen oft davon abgehalten würden, im Land Eigentum zu erwerben und sich damit etwas aufzubauen. Dabei sei ein Eigenheim identitätsstiftend, verbinde die Menschen mit dem Wohnort und schaffe Sicherheit und Engagement vor Ort.
Deshalb war die erste Frage der Vorstände an Hagel die nach der Haltung der CDU zur Grunderwerbssteuer. Denn eine Absenkung der Grunderwerbssteuer von aktuell 5% auf 3,5% hatte sich bereits 2021 im Wahlprogramm der CDU lesen lassen: „Im aktuellen Programm der CDU ist von einer schrittweisen Absenkung der Grunderwerbsteuer auf 3,5 Prozent die Rede, was genau meint die CDU damit?", bohrte Haller nach. Hagel war vorbereitet. Es müsse und solle eine bundesrechtliche Grundlage geschaffen werden, die eine Differenzierung der Grunderwerbsteuersätze in den Ländern ermögliche. Auf der Grundlage einer solchen Öffnungsklausel für die Länder - die der grüne Finanzminister Danyal Bayaz bislang abgelehnt hatte - könnten Grunderwerbssteuersätze schrittweise und differenziert (etwa bei Ersterwerb für Eigennutzung) abgesenkt werden. Im Übrigen fordere die CDU den sogenannten „Heimvorteil BW", eine baden-württembergische Variante des „Hessengeldes". Damit sollen insbesondere junge Familien beim Eigentumserwerb gefördert werden, mit jeweils 10.000 € bei Erwerbsperson und mit weiteren 5.000 € je Kind.
Hagel: „Wir waren das Land der Häuslebauer - da müssen wir wieder hin"
Hagel beschwor das Kernversprechen der Sozialen Marktwirtschaft: „Als ich meine Banklehre gemacht habe, war es noch selbstverständlich, dass Facharbeiter und Facharbeiterinnen und ihre Partner sich in der Gegend gemeinsam ein Baugrundstück aussuchen konnten, um dort den Grundstein für die gemeinsame Existenz und für ihre Familie zu legen. Heute ist das sehr viel schwieriger." Baupreise, Grundstücksknappheit, steuerliche Belastungen, die Zinsentwicklung und vieles weitere mehr halte junge Menschen davon ab, den Wunsch nach dem Eigenheim umzusetzen. Hagel betonte, man müsse auch ganz grundsätzlich als Landesregierung entscheiden, ob der Staat Bauherr sein solle, oder ob man nicht vielmehr Privaten erleichtern wolle, in eigener Regie zu bauen. Der Staat alleine könne den Wohnraummangel nicht aus eigener Kraft beheben: „Es sind Vorstellungen aus Bullerbü, dass der Staat das alles leisten kann", so Hagel. Vielmehr müsse man die bereits umgesetzten Maßnahmen bei der Entrümpelung der Landesbauordnung weiterverfolgen und Eigentümerrechte stärken.
Nothacker: „Die Politik traut sich nicht, das Übergangsinstrument Mietpreisbremse wieder abzuschaffen"
Sebastian Nothacker sprach ein Thema an, das aktuell viele Vermieter im Land bewegt: Die Mietpreisbremse. Aus einem Instrument auf Zeit sei eine Dauerinstitution geworden. Die Politik traue sich nicht, dieses wieder abzuschaffen. Obwohl sie keinen Wohnraum schaffe und keinen sozialen Ausgleich herbeiführe. Ebenfalls wirke die Mietpreisbremse unpräzise, denn auch in Kleinstgemeinden wie Zwiefalten würden so angespannten Wohnungsmärkten ausgerufen. Im CDU-Wahlprogramm fände sich zur Mietpreisbremse nichts.
Hagel: „Die Mietpreisbremse schafft keine einzige neue Wohnung"
Hagel stimmte der Analyse von Haus & Grund zu, dass die Kriterien zur Bestimmung angespannter Wohnungsmärkte zu Ergebnissen führten, die teils schwer nachvollziehbar seien. So fielen Klein- und Kleinstgemeinden im ländlichen Raum unter die Bremse, wohingegen Metropolen wie Mannheim aus ihrem Geltungsbereich herausfielen. Ursprünglich sei die Mietpreisbremse dafür gedacht gewesen, soziale Härten abzufedern. Das hätte die Mietpreisbremse bisher nicht geleistet. Deswegen müsse man diese reformieren. Hagel wurde in diesem Punkt grundsätzlich: „Wir müssen eine Angebotserweiterung erreichen, um die Mietpreise zu entspannen. Dafür brauchen wir Investitionen in den Wohnungsbau. Wenn das Wohnungsangebot steigt, werden Instrumente wie die Mietpreisbremse obsolet."
Baden-Vorstand Thomas Haller bekräftigte, dass man es nicht geschafft habe, mit der Mietpreisbremse angespannte Wohnungsmärkte zu entlasten. Man habe das Wohnungsangebot damit nur zementiert. Hagel hierzu: „Wir müssen die Baubremsen lösen, eine Nachverdichtung anstreben - auch in die Höhe." Vor allem aber müsse man pragmatisch vorgehen, nicht ideologisch.
Hagel zur Grundsteuer: „Unser Anspruch ist, besser zu sein als die Bayern!"
Sebastian Nothacker sprach den Dauerbrenner Grundsteuer an und schilderte alle damit verbundenen Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, die die Grundsteuerreform gerade in Baden-Württemberg mit sich bringe. Er plädierte für das bayrische Modell, das sich ausschließlich an der Grundstücks- und Gebäudefläche sowie deren Nutzung orientiere.
Hagel pflichtete Haus & Grund bei, dass die Grundsteuerreform im Vollzug nun an vielen Stellen neue Unwuchten erzeugt habe. Allerdings sei die Reform vom Bundesverfassungsgericht gefordert worden, man habe, wie alle Länder, tätig werden müssen. Das von Baden-Württemberg gewählte Bodenwertmodell sei im Grundsatz richtig, weil es mit einem vergleichsweise geringen Verwaltungsaufwand einhergehe. Erste Korrekturen hätte die Landesregierung bereits vorgenommen. Der 30-prozentige Wohnabschlag im Landesgrundsteuerrecht gehe auf die Initiative der CDU zurück, ebenso habe man die Gutachterausschüsse sensibilisiert, soziale Härten abgefedert und für vereinfachte Gutachten gesorgt. Dennoch müssten weitere Korrekturen erfolgen. Dazu wolle er in Zukunft in die fachliche Diskussion - auch mit Haus & Grund - treten, um „alle Vorschläge auf den Tisch zu legen" und eine langfristige Lösung zu erarbeiten.
Haller: „Wohnen auf Zeit, statt Grundsteuer C"
Anstelle der Grundsteuer C, die unbebaute, aber bebaubare Grundstücke höher besteuert und die beispielsweise in Tübingen eingeführt worden ist, schlug Haller vor, das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht so zu flexibilisieren, dass auf sogenannten „Enkelgrundstücken" alternative Wohn- und Bauformen auf Zeit zugelassen werden könnten. Beispielsweise, indem Tiny-Häuser dort aufgestellt werden könnten. Hagel nahm diesen Vorschlag direkt auf und bekräftigte, „dass wir zur Lösung unserer vielen Herausforderungen beim Wohnraum und auch im Naturschutz solche pragmatischen Ansätze brauchen".
Am Ende des Gesprächs gingen Haller und Nothacker auf das Thema Pflichtversicherung bei Elementarschäden ein und stellten die Frage, warum sich diese Forderung im Wahlprogramm der CDU befände, wo doch in Baden-Württemberg rund 94 % der privaten Immobilieneigentümer bereits entsprechend gegen Elementarschäden versichert seien. Hagel betonte, dass er gerade deshalb eine Pflichtversicherung anstrebe. Es sei nicht richtig, dass Eigentümer in Baden-Württemberg eigenverantwortlich vorsorgten, während bei größeren Schadensereignissen in anderen Bundesländern immer wieder der Steuerzahler einspringe. „Wenn woanders etwas passiert, trägt am Ende oft die Allgemeinheit die Kosten - und das geht zulasten der Baden-Württemberger, die sich ordentlich versichert haben", so Hagel. Ebenfalls gebe es zunehmend Regionen auf dem Land, wo Versicherer keine entsprechende Absicherung anbieten würden. Auch diesem Problem komme man mit einer Pflichtversicherung bei.